Ein Blick zum Hirten

Veröffentlicht auf von seiunverzagt


 

Ein Blick zum Hirten


Die Welt rast an mir vorbei. Voller Energie und Freude schwebe ich geradezu mit meinen Inlinern durch die Natur. Der kalte und hoffnungslose Winter ist vorbei. Frühlingsluft, Vogelgezwitscher, der Duft von Sonnenmilch, … ich hab das Gefühl, mein Herz wacht auf aus dem Winterschlaf, reckt und streckt sich in den ersten Sonnenstrahlen.


Der Tag hatte schon so schön angefangen. Gesundes Frühstück auf der Terrasse noch im kuschligen Schlafanzug und mit zerzausten Haaren und der Bibel in der Hand – einfach noch ruhen in der Stille, bevor der Lärm des Tages mich zurück in die harte Realität des Alltags zurückholt. Mittags dann ein kurzer Austausch mit meiner Wohnkollegin und Freundin – von Herz zu Herz. Der Genuss von einem knackigen Salat mit frischem Schnittlauch. Ja, mein Herz begreift es mehr und mehr: Der Frühling ist da! Es gibt Hoffnung!


All diese Gedanken rasen durch meinen Kopf, während ich an Wiesen, Büschen und Bäumen vorbeidonnere – auf meinen Inlinern. Nach einer Weile komme ich an einem Fluss vorbei und kann einfach nicht der Versuchung widerstehen, meine Füße in das eiskalte Wasser zu tauchen. Das Plätschern des Wassers, die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, das grüne Gras in meinen Augen. Wann war ich das letzte Mal so angetan von der Natur? Kein Mensch weit und breit. Nur die Gewissheit: Gott ist da!


Auf dem Rückweg fahre ich langsamer, die Kraft in den Beinen wird weniger und auch mein Herz wird langsam wieder schwerer. Die reale Welt holt mich wieder ein. Sorgen, Ängste…wo vorhin noch die Sonne auf meine Haut schien, überschatten mich nun die Wolken.


Wieder einmal trage ich meine Liebsten im Gebet vor Gottes Thron. Einen nach dem Anderen. Alle Menschen, Familienmitglieder und Freunde, die meinem Herzen so nah sind, haben so viel zu tragen. Und doch bekomm ich es einfach nie auf die Reihe, treu für jeden zu beten. Während ich nun langsamer durch die Landschaft fahre, versuche ich es aufs Neue. Einen nach dem Anderen. Ein Anliegen nach dem Anderen. Ein Leiden nach dem Anderen.  Atemlos habe ich das Gefühl, in all dem Leid unterzugehen. Das Leid nimmt kein Ende. Ich habe das Gefühl, die Warteschlange der Menschen, die ich vor Gottes Thron legen muss, wird immer länger. Überall Leid, Schmerz, Verzweiflung, Trauer, Wut, Verletzungen, Sünde, Angst und Sorge. Gerade bin ich an einer Person in meinem Leben angekommen, die gerade den Weg von Gott weg eingeschlagen hat. Ich seufze hörbar.


Doch was ist das? Direkt vor mir läuft ein Schaf über meinen Weg. Ich wende meinen Kopf und sehe eine Schafherde! Mein Herz macht einen Aussetzer. Eine richtige Schafherde mit weißen und schwarzen Schafen? Sogar ein Hirte mit Hut und Stab sitzt etwas weiter entfernt auf einem großen Stein. Warum habe ich diese Begegnung genau jetzt, in diesem Moment? Allein das Bild einer Schafherde macht so viel in mir! Das Bild in der Bibel mit Jesus als dem Hirten, wie er jedes seiner Schafe hütet und dem Verlorenen nachgeht. Dass er jedes Schaf beim Namen kennt.


Sofort verändert sich mein Blick für die  Dinge und ich fange an, in jedem Schaf einen meiner Liebsten zu sehen. Da wäre ein Schaf - meine treue Freundin, ganz nah am Hirten. Aber es hinkt – oh ja, ihr grausamer Arbeitsalltag bringt sie tatsächlich zum Hinken! Mitten in der Herde ist ein schwarzes Schaf, ganz unter weißen Schafen – mittendrin und doch nicht zugehörig. Sofort stelle ich auch Verbindungen zu meinen Herzensmenschen fest. Ja, und dann fällt mein Blick auf zwei Schafe, die sich von der Herde etwas abgesondert haben. Sie nähern sich fast schon etwas zu waghalsig einem Bächlein. Dieser Anblick lässt mich lautstark aufschluchzen. Natürlich denke ich sofort an die Person in meinem Leben, die gerade bewusst den gemeinsamen Weg mit Gott verlässt, die Herde verlässt, und sich tatsächlich gefährlichen Wassern nähert. Mein Herz wird geradezu erdrückt von diesem Leiden und schreit  innerlich nach Gott. Auch hier stelle ich sofort die Verbindung klar. Gott hat sich uns als der Hirte vorgestellt. Der, der sich um seine Schafe kümmert.


Plötzlich muss ich innehalten. Wo in dem ganzen Treiben befinde ich mich denn eigentlich? Der Hirte kann ich nicht sein, das ist Gott. Ein Adler, der darüberschwebt oder der Hütehund? Nein, die Feststellung lässt mich die Luft anhalten: Ich bin auch ein Schaf! Ein ganz normales Schaf, mitten in der Schafherde! Diese Tatsache macht von einer Sekunde zur anderen mein Herz wieder leicht wie ein Vogel. Ich bin nicht dafür zuständig oder verantwortlich, dass die Schafe beim Hirten bleiben, oder dass der Hirte auch tatsächlich grünes Gras für seine Schützlinge findet. Ich bin nicht dafür verantwortlich. Ich muss den Hirten nicht anbetteln, mir einen kleinen Gefallen zu tun.


Nein – ich bin nur ein Schaf. Und der Hirte macht schon längst seine Arbeit wie eh und je. Puh, mein Herz atmet sichtlich auf! Noch ein Blick zum Hirten genügt: er hat seine Schafe im Auge! Gut, dann kann ich ja nun weiterfahren!


Voller Lebenslust donnere ich nun weiter über die Straßen, erfreue mich an der Hyazinthe zuhause, die während meiner Abwesenheit die ersten Blüten geöffnet hat und weiß nun ganz fest im Herzen: Der Hirte kümmert sich um seine Schafe und ich – Schaf – muss mich nicht erdrücken lassen von der Arbeit des Hirten.  Denn: ER weidet mich auf einer grünen Aue und ER führet mich zum frischen Wasser – er erquickt meine Seele…!


Määäh!


BekkiBluemchen

 


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Veröffentlicht in Mit Gott erlebt

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B
Gottes Gabe in dich hineingelegt....seine Gedanken in Worte zu fassen!<br /> Gott gebraucht dich....er will mit dir zusammen GESCHICHTE schreiben;)
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S
<br /> <br /> Herzlichen Dank meine Herzensfreundin <br /> <br /> <br /> <br />